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Die Leber'sche Optikus Atrophie

Erschienen in "Augenblick" Nr. 41 März 1992

Kurze Vorgeschichte

Als Normalsehender liess ich mir nie träumen, dass sich mein Leben in kurzer Zeit derart verändern würde und machte mir keine Vorstellungen vom Leben eines Sehbehinderten. Dies änderte sich vor 2 1/2 Jahren, als meine Sehfähigkeit in einem Monat so stark abnahm, dass ich die Arbeit niederlegen und mich zahlreichen Untersuchungen unterziehen musste. Nach 8 Monaten erhielt ich die vorläufige Diagnose: Verdacht auf Leber'sche Optikus Atrophie.

Was ist die Leber'sche Optikus Atrophie?

Die Leber'sche Optikus Atrophie ist eine Erbkrankheit, die vor allem bei Männern zwischen dem 20. und 30. Lebensalter auftritt. Es entsteht, wie es der Name sagt, ein Schwund des Sehnervs, die Sehstörung betrifft das Sehzentrum beider Augen. Dieser Gesichtsfeldausfall ist für den Betroffenen einschnei-dend, da das Lesen, das scharfe Sehen von Details mit dem Sehzentrum geschieht. So haben die Betroffenen Mühe mit Lesen, dem Erkennen von Gesichtern, Aufschriften usw., können sich aber noch gut in der Umgebung orientieren, da die Peripherie noch intakt ist. In der Regel führt die Krankheit nicht zur Vollblindheit.

Ursachen der Leber'schen Optikus Atrophie

Später wollte ich mich durch eine genetische Beratungsstelle über die Folgen meiner vermuteten Erbkrankheit aufklären lassen. Ich liess eine genetische Untersuchung machen und erhielt die Bestätigung, dass ich Träger dieses krankmachenden Gens bin. Darüberhinaus erfuhr ich die Gründe und Behandlungs-möglichkeiten dieser Krankheit.
Durch das defekte Gen wird ein Enzym, ein Biokatalysator des menschlichen Organismus vermindert hergestellt. Das Enzym ist fähig, die giftige Blausäure in unserem Körper abzubauen. Die Blausäure hemmt, wenn sie in zu grossen Mengen vorhanden ist, die innere Atmung der einzelnen menschlichen Zellen und den Sauerstofftansport im Blut. Es wird nun angenommen, dass die Zellen des Sehnervs am empfindlichsten auf die Hemmung durch die Blausäure reagiert und deshalb seine Funktion reduziert.

Die Blausäure wird durch die Nahrung, vor allem durch Bitter-mandeln, in geringen Mengen auch durch Leinsamen, Apfelkerne, eingemachtes Steinobst, und anderen Nahrungsmitteln in unseren Körper aufgenommen.

Therapiemöglichkeiten

Als einfachste zu empfehlende Therapiemethode ist die Einhaltung einer Diät, die alle Blausäurehaltigen Nahrungs-mittel möglichst vermeidet. Weiter sollte auch Rauchen oder Alkohol gemieden werden, weil diese Stoffe die bereits gehemmten Zellen weiter schädigen könnten. Weitere Therapiemethoden sind im Moment in der Testphase.
Ich stellte meine Ernährung um, bevor ich die wahren Gründe für meine Sehbehinderung erfahren hatte, indem ich alle Nahrungsmittel und Getränke vermied, die mir eine Verschlechterung oder Unwohlsein brachten. So hatten auch Wärme, Sauna, Massagen und Erholung einen verbessernden Einfluss auf die Sehfähigkeit. Ein halbes Jahr später setzte eine deutliche Besserung ein. Die Gründe und Zusammenhänge für die Verbesserung der Sehfähigkeit sind noch unklar.
Eine positive Gemütsverfassung trägt schliesslich dazu bei, dass der Organismus besser auf Unregelmässigkeiten reagieren und somit eine Heilung fördern kann. Ich erachte es als sehr wichtig, auf seinen eigenen Körper zu hören und alles zu vermeiden, was die Sehfähigkeit oder das Allgemeinbefinden verschlechtert. So findet mit der Zeit jeder Betroffene selbst die Nahrungsmittel oder Massnahmen, die ihm eine Verbesserung oder Verschlechterung der Sehfähigkeit bringen könnten.

Für weitere Auskünfte an Betroffene und Interessierte stehe ich gerne zur Verfügung:
Stefan Schädler
Ahornweg 14
3400 Burgdorf
034 422 82 06


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