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Sehbehindert durch eine Erkrankung des Sehnervs: Die Leber'sche Optikusatrophie

Erschienen in "DER WEG" 2/92

Sehbehinderungen entstehen nicht nur durch Störungen und Defekte im Auge selbst. Die Leber'sche Optikusatorphie ist eine Erkrankung des Sehnervs. Dieser verbindet das auge mit dem Gehirn. Der SBV untersützt die Gründung einer Selbsthilfegruppe von Personen mit dieser Erkrankung.

Vor zweieinhalb Jahren musste ich meine Arbeit aufgeben, weil mir eine starke Sehstörung die Ausübung des Berufes verunmöglichte. Erst mehr als ein Jahr später wich die belastende Ungewissheit, als ich die endgültige Diagnose erhielt: Leber'sche Optikusatrophie. Einige wichtige Informationen haben mir geholfen, die Krankheit kennenzulernen und mich nach den erhaltenen Empfehlungen zu verhalten. Weil sich diese Informationen bei mir sehr positiv ausgewirkt haben, möchte ich diese gerne an andere weitergeben.
Die genetisch bedingte Optikusatrophie wurde von Dr. Theodor Leber, einem Augenarzt aus Heidelberg, Ende letzten Jahrhunderts beschrieben und erforscht. Die Erbkrankheit tritt in den meisten Fällen bei Männern zwischen dem 20. und 30. Lebensalter auf. Bei der Erkrankung entsteht ein Schwund des Sehnervs, der vor allem einen Ausfall des zentralen Sehfeldes meistens an beiden Augen bewirkt. Die Betroffenen beschreiben einen verschwommenen Fleck in der Mitte des Sehbereichs. Der Ausfall des Sehzentrums hat für den Betroffenen zur Folge, dass ihm das Erkennen von Details und das Lesen Mühe bereiten. Da die Peripherie des Sehfeldes zum Teil erhalten bleibt, kann sich der Sehbehinderte anhand dieses Rests immer noch orientieren. Der starke Ausfall des Sehzentrums ist jedoch ein einschneidendes Ereignis im Leben eines Betroffenen und bedingt meist auch eine berufliche Umschulung
Die Forschung an dieser Krankheit hat in den letzten Jahren zu wichtigen Ergebnissen geführt, die sich für die Betroffenen als wertvolle Hilfe erwiesen haben. 1984 wird beispielsweise beschrieben, dass ein Enzymdefekt die mögliche Ursache für den Sehnervschwund sein könnte. Ein Enzym ist ein Biokatalysator in unserem Körper, der die verschiedensten Aufgaben im Stoffwechsel, der Ernährung und anderen Lebensfunktionen hat. Das beschriebene Enzym ist in der Lage, die giftige Blausäure in unserem Körper in ein ungiftiges Zwischenprodukt umzuwandeln. Weil nun die Blausäure durch den Enzymdefekt ungenügend abgebaut werden kann, steigt die Menge im Körper. Die Blausäure kann den Sauerstofftransport im Blut hemmen und auch die Atmung der einzelnen Körperzellen blockieren. Man nimmt nun an, dass vor allem die Zellen des Nervensystems und insbesondere des Sehnervs am empfindlichsten auf die Hemmung der inneren Atmung reagieren. Einige Jahre später haben Forscher die Erbanlage in den menschlichen Zellen gefunden, die das oben erwähnte Enzym in unserem Körper herstellt. Bei einem Defekt an der Erbanlage ist nun auch das Enzym verändert. Mit einer einfachen genetischen Untersuchung kann nun festgestellt werden, ob der Erkrankte Träger dieser Erbkrankheit ist oder nicht.

Für einen Betroffenen haben diese neuen Ergebnisse wichtige Hilfen ergeben:

1. Eine klare Diagnose konnte bisher erst nach zahlreichen Untersuchungen und längeren Beobachtungszeiten gestellt werden. Durch eine genetische Untersuchung wird ein Patient viel früher die Gewissheit erhalten, ob er wirklich an der Leber'schen Optikusatrophie erkrankt ist. So wird eine unangenehm lange Wartezeit und damit auch eine grosse Ungewissheit verkürzt.

2. Mit einer Diät, die möglichst viele blausäurehaltigen Nahrungsmittel meidet und trotzdem ausgewogen und vitaminreich ist, kann der Blausäuregehalt im Körper gering gehalten werden. Blausäure ist vor allem in folgenden Nahrungsmitteln enthalten: bitteren Mandeln, Marzipan, Leinsamen, Bambussprossen, mit Steinen eingemachtes Steinobst und anderes mehr. Es wird auch empfohlen, Rauchen und Alkohol zu meiden, damit der Stoffwechsel und die innere Atmung nicht noch zusätzlich belastet werden. Die Diät ist eine einfache und begründete Therapie, die dem Körper hilft, den Schaden zu begrenzen oder sogar eine Heilung einzuleiten.

Für jeden einzelnen ist es jedoch wichtig, dass er die Nahrungsmittel und Techniken findet, die ihm eine Besserung bringen. Zum Beispiel haben Sauna, Fango, Massagen und andere Techniken, die Wärme und Entspannung bringen, sich positiv auf das Sehvermögen ausgewirkt. Zu einer Besserung tragen auch Wohlbefinden und eine innere Ausgeglichenheit bei. Ich habe für mich eine weitergehende Diät gewählt und wende Methoden wie Sauna an. Inzwischen hat sich eine Verbesserung meiner Sehfähigkeit ergeben, die jedoch von den Aerzten noch nicht erklärt werden kann.

Gerne bin ich bereit, Informationen an Interessierte weiterzugeben und bei der Bildung einer Selbsthilfegruppe mitzuhelfen. Die Gründung einer Selbsthilfegruppe wird vom Schweizerischen Blindenverband unterstützt. Eine solche Selbsthilfegruppe hat zum Ziel, Betroffene, deren Angehörige und Augenärzte zu beraten und informieren, das Krankheitsbild zu erklären und die Therapiemöglichkeiten zu verbreiten und zu verbessern. So können auch die neusten Forschungsergebnisse und neue Therapiemethoden direkt an Betroffene weitergegeben werden. Ein weiteres Ziel ist auch die Hilfsmittelberatung. Interessierte melden sich bitte bei: Stefan Schädler, Ahornweg 14, 3400 Burgdorf, Tel. 034 422 82 06.


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